Die Steeples bleiben daheim eine Macht. Mit unbändigem Siegeswillen hat Ehingen im 3. Playoff-Spiel Nürnberg mit 86:68 (32:31) niedergekämpft. Das 4. Spiel findet am Sonntag um 17 Uhr in Nürnberg statt.

Es kommt äußerst selten vor, dass dem Ehinger Headcoach Ralph Junge nach den Spielen oder bei den Pressekonferenzen nichts einfällt. Gestern war so ein Abend, wo auch er erst mal durchschnaufen und seine Gedanken sortieren musste. So emotional berührt war er einerseits und andererseits völlig von den Socken. "Ich bin ein bisschen sprachlos, da fehlen selbst mir die Worte", sagte er. Aber dann kamen doch seine messerscharfen Statements, mit denen er die Partie analysierte. "Wir hatten nur sechs Turnovers, so kam Nürnberg nicht zu einfachen Punkten", sagte er, "die Presse hat uns geholfen." Die Ehinger haben die Nürnberger früh gestört und sie nicht zur Entfaltung kommen lassen. So lief den Franken oft die Zeit davon. Im Gegenzug zwangen die Steeples die Gäste mit ihrem unbändigen Einsatz und Siegeswillen zu Fehlern oder Fouls. So musste Ronald Thompson beim Stand von 76:65 für Ehingen mit fünf Fouls vom Feld. "Wir haben schlecht verteidigt", sagte der Nürnberger Cheftrainer Benjamin Travnizek.

Das sei unglaublich, er habe einen riesigen Respekt vor seinen Jungs, lobte Ralph Junge seine Mannschaft, die gestern erneut ohne Joey Ney, aber auch ohne den verletzten Stacy Wilson auskommen musste. Dafür fügten sich die jungen Talente wie Christian Sengfelder, Zaire Thompson, Nicholas Burgard und Mahir Agva aus dem Urspringer nahtlos ins Geschehen ein. Phasenweise standen drei U19-Akteure auf dem Feld. Ein Sonderlob gabs für Zaire Thompson. Er habe einen tollen Job gemacht, sagte Junge. Aber auch die anderen Steeples haben sich wieder als geschlossene Mannschaft präsentiert.

Die Partie begann zunächst mit nervösen Aktionen auf beiden Seiten. Die Anspannung war zu spüren. Nürnberg führte nach dem ersten Viertel mit 18:16; zur Pause lag Ehingen 32:31 vorn. Kurios war, dass die Gäste im ersten Durchgang vor allem von ihren fünf Dreiern lebten, während bei Ehingen keiner das Ziel fand.

Das sollte sich in der zweiten Halbzeit ändern. Stephan Haukohl erhöhte nach dem Seitenwechsel zunächst auf 34:31 und sorgte dann mit dem ersten Steeples-Dreier für die Erlösung. Das Ehinger Publikum machte sich mit einem langen "Jaaaaaaah" Luft. Es sollten sechs weitere erfolgreiche Distanzwürfe folgen. Nürnberg gelangen insgesamt acht Dreier. Ein Plus besaßen die Steeples bei den Freiwürfen, von denen 79 Prozent klappten.

Gleich fünf Ehingern gelang es gestern Abend, zweistellig zu punkten. Allen voran dieses Mal Carlton Guyton mit 17 Punkten und sieben Rebounds. Stephan Haukohl kam auf 15 Punkte, Taylor Rohde auf 13 und elf Rebounds. Ein Dutzend Punkte "machte" Kapitän Virgil Matthews, Christian Sengfelder steuerte zehn Zähler bei. Mit Abstand sicherster Schütze bei den Franken war Michael Fleischmann mit 21 Punkten; er angelte sich zudem acht Rebounds. Bingo Merriex erreichte nur acht Punkte, aber dafür acht Rebounds. Während Nürnbergs größter Vorsprung vier Punkte betrug, das war im zweiten Viertel beim 20:16, besaß Ehingen kurz vor Spielende eine 19-Punkte-Führung.

Schon am morgigen Sonntag folgt das vierte Spiel der Playoff-Serie in Nürnberg. Ob Stacy Wilson in Nürnberg auflaufen wird, ist eher unwahrscheinlich. Auch Sengfelder, Thompson und Agva werden nicht dabei sein; sie müssen in der NBBL im U19-Playoff-Hit gegen Breitengüßbach ran. Eine ganz schwierige Partie also für das dann siebenköpfige Team der Steeples. Sie können davon ausgehen, dass ihnen wieder ein Spiel auf Biegen und Brechen bevorsteht.

Ehingen: Guyton 17 Punkte/7 Rebounds, Haukohl 15, Rohde 13/11, Matthews 12, Sengfelder 10, Theis 7, Agva 7, Thompson 5, Butler, Burgard.

Info Tip-Off in Nürnberg ist um 17 Uhr; der Ehinger Fan-Bus fährt um 12 Uhr bei Bottenschein-Reisen ab.

Roland Flad, Südwest Presse, 12.04.14

Mit einem verdienten 90:86 (50:41)-Heimsieg ist Ehingen gegen Nürnberg in die Pro-A-Playoffs gestartet. Die Steeples behielten auch in der Schlussphase die Nerven. Die zweite Partie ist morgen in Nürnberg.

Die LET’S BE HAPPY TOUR! der Steeples ist mit einem verdienten 90:86-Heimsieg gegen Nürnberg angelaufen. Die Ehinger können sich total glücklich fühlen, denn das war gestern Abend vor knapp 1.000 Zuschauern in der Längenfeldhalle – darunter einige aus Nürnberg – ein Playoff-Start nach Maß. Bis der Sieg im ersten Viertelfinalspiel gegen die Franken unter Dach und Fach war, galt es jedoch bange Schlussminuten zu überstehen.

„Wir hatten zeitweise die Führung auf 16 Punkte geschraubt“, sagte Steeples-Trainer Ralph Junge nach dem Spiel gegen Nürnberg, „wenn wir unsere Freiwürfe treffen, gewinnen wir mit zehn“. Das war, als Ehingen mit 74:58 als sicherer Sieger die ersten Minuten des Schlussviertels beherrschte, sich in der Folge aber einige Unkonzentriertheiten leistete.

Der Vorsprung schmolz zusehends. Gut drei Minuten vor dem Spielende lagen die Ehinger noch mit elf Punkten vorn (82:71), Nürnberg schien die zweite Luft zu bekommen und ruckzuck stand es nur noch 87:83. Die Freiwurfquote der Ehinger ließ jetzt Wünsche offen; am Schluss lag sie bei 64 Prozent; Nürnberg kam auf 80 Prozent.

Nun merkten aber auch die Ehinger Zuschauer, dass es in die kritische Phase ging. Keinen hielt es mehr auf den Sitzen, stehend peitschten die Fans die Steeples an. Stacy Wilson war es schließlich, der beim Stand von 88:86 die Nerven behielt und seine beiden Freiwürfe versenkte. Wilson war am Ende auch Topscorer der Steeples mit 27 Punkten. Zweistellig punkteten auch Taylor Rohde (13), Stephan Haukohl (12) und Carlton Guyton (11); Haukohl pflückte zudem sechs Rebounds; Mahir Agva sogar acht. Bei den Franken holte Bingo Merriex 22 Punkte, gefolgt von Sebastian Schröder (17) und Ahmad Smith (14).

Es war der erste Sieg der Ehinger in den Pro-A-Playoffs überhaupt. Vergangenes Jahr musste sich Ehingen als Tabellenachter dem Champion Vechta mit 0:3 beugen. So fahren die Schützlinge von Headcoach Ralph Junge mit dem 1:0-Vorsprung im Rücken schon morgen nach Nürnberg.

„Wir werden motiviert rangehen“, sagte der Nürnberger Trainer Benjamin Travnizek zur zweiten Partie. Er bezeichnete den Sieg der Steeples als verdient. „Nürnberg war sehr physisch“, sagte Ralph Junge, „im Großen und Ganzen haben wir es aber gut gemacht“.

Als möglicher nächster Konkurrent empfiehlt sich Crailsheim. Die Merlins gewannen ihren Playoff-Start gegen Gotha vor 1.300 Zuschauern mit 76:62 (34:34) und führen damit in der Viertelfinalserie mit 1:0. Auch Pro-A-Branchenführer BG Göttingen ließ nichts anbrennen. Der Ex-Bundesligist verwies die Baskets aus Essen mit 79:58 aus der Halle. 2.730 Zuschauer wollten diese Partie sehen. 1:0 führt auch Gießen, das sich gegen Jena hauchdünn mit 75:74 (46:30) behaupten konnte. Das zweite Viertelfinalspiel findet für die acht Teams schon am morgigen Dienstag statt.

Erdgas Ehingen/Urspringschule: Wilson 27 Punkte, Rohde 13, Haukohl 12/6 Rebounds, Guyton 11, Sengfelder 8, Theis 6, Butler 4, Agva 3/8 Rebounds, Burgard 3, Matthews 3/5 Rebounds.

Quelle: ROLAND FLAD I 07.04.2014 I www.swp.de